Die Steuerungsmöglichkeiten durch Maßnahmen der Personalentwicklung sind im System Schule stark eingeschränkt. In diesem Konzept zur Personalentwicklung unterscheiden wir zwischen Neueinstellungen und Unterstützung der Entwicklung im bestehenden Kollegium.

Neueinstellungen

Das Personal wird extern rekrutiert und in der Regel (außer bei Schulstellen) zugewiesen. Auch zu besetzende Schulstellen unterliegen bestimmten Regeln und Verfahrensvorschriften.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ausgeschriebene Stellen im ländlichen Raum – bes. auch Selsingen – nur schwer zu besetzen sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit engen Kontakt zu Studienseminaren zu halten und durch die Ausbildung von Anwärtern junge Kollegen für die Schule zu begeistern.

Das Auswahlverfahren wird dann nach den Vorschriften durchgeführt und der Personalrat und die Gleichstellungsbeauftragte frühzeitig eingebunden.

Durch Gespräche mit der Schulleitung werden neue Kollegen auf ihre Aufgaben vorbereitet. Ein Schulleitfaden informiert über Ansprechpartner und Termine. Die Schulleitung führt eine Schulbegehung durch und steht als Ansprechpartner zur Verfügung.

Entwicklung im bestehenden Kollegium

Anreize und Sanktionsinstrumente sind in der Schule wenig ausdifferenziert. Wo kein Leistungsdruck vorhanden ist, keine Einsicht in Veränderungsbedarf entsteht, ist es schwierig, wahre Entwicklung voranzutreiben.

Gesprächsführung, Mitarbeitergespräche, Motivationsgespräche aber auch  Kritikgespräche mit dem Ziel der Veränderung sind ein notwendiges Mittel zur Personalentwicklung und gehören zum Schulalltag.

Nur dann ist Weiterentwicklung von Qualität möglich.


Verantwortung der einzelnen Lehrkraft stärken

Lehrkräfte unterrichten in eigener pädagogischer Verantwortung. Aber auch neben dem Unterrichtsgeschehen können und sollen Lehrkräfte selbständig handeln. Dazu benötigen sie Kompetenzen und Vertrauen in ihre Handlungsfähigkeit von Seiten der Schulleitung. Die Klassenlehrer sind in allen Bereichen erste Ansprechpartner für Schüler und Eltern, dies wird von der Schulleitung gegenüber Schülern und Eltern bekräftigt. Ihre Rolle soll gestärkt werden. Die Schulleitung unterstützt das eigenständige Handeln der Kollegen, berät und gibt evtl. Hilfestellungen.

In Dienstbesprechungen und Konferenzen wird Wert auf ein Miteinander gelegt. Das langsame Heranführen an Gruppenarbeiten und Möglichkeiten der Kommunikation bestimmt den Ablauf und die Atmosphäre.


Ressourcen nutzen

Bestehende Ressourcen können nur eingesetzt werden, wenn sie bekannt sind.

Durch Mitarbeitergespräche, die nicht immer terminiert, sondern auch spontan entstehen können, werden persönliche Vorlieben, Wünsche und Anregungen deutlich. Vieles entwickelt sich dabei spontan.


Mitarbeitergespräche und Unterrichtsbesuche

Mitarbeitergespräche sind notwendig, um in ruhigem und zeitlich vom Unterricht abgegrenzten Rahmen persönliche Gedanken auszutauschen und gemeinsam mit der Lehrkraft Ziele zu formulieren. Aber auch Gelegenheit zu geben, Wünsche und Anregungen, Erfolge und Informationen auszutauschen. Die Lehrkraft wird als Persönlichkeit wahrgenommen und geschätzt.

Die Mitarbeitergespräche beginnen im 2. Halbjahr 09/10. Mit dem Personalrat ist vereinbart, dass im Lehrerzimmer eine Liste mit möglichen Terminen aushängt, in die sich die Kollegen eintragen können. Die Termine werden von der Schulleitung vorgegeben.

Unterrichtsbesuche

NSCHG §43 (2)

Die Schulleiterin …., besucht und berät die an der Schule tätigen Lehrkräfte im Unterricht und trifft Maßnahmen zur Personalwirtschaft einschließlich der Personalentwicklung.

Unter diesem Aspekt ist die Organisation der Unterrichtsbesuche durch die Schulleiterin ein wichtiger Teil des PE Konzeptes.

Nach über 30jähriger Tätigkeit meines Vorgängers ist die Einsichtnahme in den Unterricht durch die Schulleiterin etwas Neues an der Heinrich-Behnken-Schule.

Viele Kollegen sind nach eigenen Angaben über 30 Jahre nicht im Unterricht besucht worden.

Für die Unterrichtsberatung ist ein hohes Maß an Vertrauen und Sensibilität im Umgang zwischen den beteiligten Personen Voraussetzung.

Daher ist das Heranführen an den Unterrichtsbesuch durch die Schulleiterin ein sehr wichtiger Aspekt bei der Umsetzung des Konzeptes.

Unterrichtsbesuche finden üblicherweise im Rahmen der Lehrerausbildung oder im Rahmen der beruflichen Weiterentwicklung statt und haben daher den Charakter des bewertenden und beurteilenden.

Eine Beratung ist aber von der Grundhaltung her ressourcen- und lösungsorientiert zu gestalten. Es darf nicht um Fehlersuche oder um das bloße Aufzeigen von Defiziten gehen, sondern in erster Linie um das Herausarbeiten von Stärken und Entwicklungspotentialen. Ungefragte „Rat-Schläge“ sind zu vermeiden. Ebenso der Eindruck einer „Schein-Objektivität“.

Aufgrund der neuen Situation - dem Wechsel des Schulleitungsteams - sind viele Neuerungen auf das Kollegium zugekommen. Daraus resultieren sich viele Unsicherheiten, eventuell auch Ängste insbesonders im Hinblick auf die Einsichtnahme in den Unterricht. Diese Situation habe ich versucht, bei der Gestaltung der Organisation und Durchführung der Unterrichtsbesuche zu berücksichtigen.

Vorgehensweise:

Nach der Ausarbeitung der Umsetzung der Unterrichtsbesuche wurde der Personalrat in einem Gespräch über die Verfahrensweise informiert, erst dann wurde das Konzept dem Kollegium präsentiert. Wichtig war mir deutlich zu signalisieren, dass es nicht um bewerten und beurteilen geht, obwohl das subjektiv sehr wohl geschehen mag, sondern dass das Ziel der Besuche ist, ins Gespräch über Unterricht zu kommen und dass die Lehrkräfte die Möglichkeit nutzen sollten, einen Beobachtungsschwerpunkt festzulegen.

Das eigentliche Ziel bei der Umsetzung der Unterrichtsbesuche durch die Schulleiterin muss sein, dass sich eine Beratungskultur an der Schule entwickelt und dass die Lehrkräfte sich auch gerne ein zweites Mal im Unterricht besuchen lassen, da sie durch diese Kultur für sich selbst eine Weiterentwicklung erfahren.

Der Unterrichtsbesuch kann durch einen festgelegten Beobachtungsschwerpunkt der Lehrkraft an Spannung verlieren, wenn vorher deutlich wurde, welcher Bereich der Unterrichtsstunde im Anschlussgespräch thematisiert wird.

Beobachtungsschwerpunkte könnten unter anderem sein: Fachinhalte, Ziele, Lehrer-Schüler-Beziehungen, Aus- und Bewertung, Sozialformen, Medien usw.

Die Unterrichtsbesuche finden nicht nach alphabetischer oder anderer festgelegter Reihenfolge statt. Die vorgegebenen Termine können von den Lehrkräften frei gewählt werden. Ein auszufüllender Bogen liegt im Lehrerzimmer aus.

Nach einem kurzen Vorgespräch ist dann die Zeit nach dem Unterrichtsbesuch wichtig. Die Unterrichtsstunde liegt immer vor einer großen Pause, so dass die Lehrkräfte Zeit zur eigenen Regeneration und Reflexion haben.

Im Anschluss an die Pause steht dann eine Unterrichtsstunde zur Besprechung zur Verfügung, in der es keine Störungen gibt.

Nach eigener Reflexion des Unterrichts soll dann auf den Beobachtungsschwerpunkt eingegangen werden. Es besteht aber sehr wohl die Möglichkeit während des Gesprächs auch auf andere Gesichtspunkte einzugehen, wenn es sich aus dem Verlauf ergibt.

Im Idealfall können Ziele, Anregungen und Lösungsvorschläge herausgearbeitet werden, die konkret im zukünftigen Unterricht angewandt werden können. In diesem Fall ist eine Rückmeldung vorgesehen. Die Art und Weise der Rückmeldung muss sich ebenfalls zu einer Rückmeldekultur entwickeln. Dies kann durch das Mitarbeitergespräch oder eine Nachgespräch zum Unterrichtbesuch geschehen.


Transparenz zur Schulsituation zeigen

Damit Lehrkräfte sich auf verändernde Bedingungen in Schule einstellen können, ist eine Transparenz in die Organisation von Schule notwendig. Dazu gehören die Informationen an und mit dem Personalrat, ein Mitteilungsbuch im Lehrerzimmer, das von Schulleitung, so wie von Kollegen genutzt werden kann, um Informationen weiterzugeben, die sich spontan ergeben haben und den öffentlichen Zugang von allen Protokollen der Arbeitsgruppen und Dienstbesprechungen im Lehrerzimmer, so dass jeder jederzeit Informationen entnehmen kann. Weiterhin gibt es das  Whiteboard im Lehrerzimmer an dem Termine angeschlagen werden. Durch die Neubesetzung der Schulleitung ist ein Veränderungsprozess in Gang, der auch eine Veränderung des Informationsflusses mit sich gebracht hat. Das ist für viele Kollegen noch neu, aber die Möglichkeiten, die zur Zeit bestehen, um sich Informationen zu beschaffen, werden vom großen Teil des Kollegiums genutzt und geschätzt.

Um die Steuergruppe nicht als „elitäres Instrument“ zu verstehen, werden alle Protokolle der Besprechungen im Lehrerzimmer abgeheftet und sind somit jederzeit einsehbar. Auch hier möchten wir Transparenz schaffen. Ob und in wie weit sich jede Lehrkraft informiert, liegt in ihrer eigenen Verantwortung.


Leitfaden entwickeln

Ein Leitfaden, der alle wichtigen Termine im Schuljahr nennt und mit Informationen und Verfahren ergänzt, soll entwickelt werden. So können neue Kollegen einen Überblick über die Aufgaben während eines Schuljahres bekommen und das bestehende Kollegium kann sich informieren, was, wann, von wem zu tun ist. Dieser Leitfaden gibt Sicherheit im Schulalltag.


Fortbildungsbeauftragter

Der Fortbildungsbeauftragte sammelt alle Fortbildungsbescheinigungen und gibt Information über anstehende Fortbildungsmöglichkeiten. (Fortbildungskonzept)


Durchführungskonzept der Unterrichtsbesuche durch die Schulleiterin

1. Die Lehrkräfte tragen sich in eine vorgegebene Terminliste ein, die im Lehrerzimmer unter " offizielle Mitteilungen" aushängt.

2. Ein Bogen, der von der Lehrkraft auszufüllen ist, liegt im Lehrerzimmer bereit und ist 2 Tage vor dem Unterrichtsbesuch bei der Schulleiterin abzugeben.

3. Bei der Abgabe des Bogens können offene Fragen und Wünsche geklärt werden.

4. Die Lehrkraft informiert die Konrektorin, wenn durch den Unterrichtsbesuch Stundenplanänderungen nötig sind.

5. Nach dem Unterrichtsbesuch liegt eine große Pause.

6. Nach der Pause findet die Besprechung statt. Dafür ist eine Schulstunde vorgesehen.

7. Der Unterrichtsbogen und die Notizen der Schulleiterin werden in einen Ordner "Unterrichtsbesuche" geheftet, eine Kopie der Notizen wird der Lehrkraft ausgehändigt. Diese Unterlagen sind nicht öffentlich.