Von Lutz Hilken
SELSINGEN. Pädagogen haben zuweilen Probleme zwischen Tür und Angel zu lösen. Für alle Beteiligten nicht gerade ideal. Be-
ratungslehrer haben dieses Problem nicht. Sie haben die Chance, sich Zeit für wichtige Gespräche zu nehmen. Die Selsinger Oberschullehrerin Theresa Vahle absolviert derzeit eine zweijährige Zusatzausbildung zur Beratungslehrerin – und gibt bereits Sprechstunden für Schüler, Lehrer und Eltern in einem extra dafür hergerichteten Ruheraum.

Nicht große Worte sind gefragt, sondern Einfühlungsvermögen und psychologisches Geschick, um Konfliktsituationen auf den Grund zu gehen und Lösungsansätze zu finden. Einmal wöchentlich findet die Ausbildung in Cuxhaven statt, seit eineinhalb Jahren ist Theresa Vahle dabei.

Sie bietet im Obergeschoss der Heinrich-Behnken-Schule zwei Sprechstunden pro Woche an – thematisch bezogen auf alle denkbaren Konfliktsituationen und in enger Abstimmung mit den Schulsozialpädagogen. Ob es sich um Lern- oder Leistungsstörungen, häusliche Probleme oder überhaupt ein problematisches Miteinander handelt – die Schule hat mehrere Möglichkeiten, um mit solchen Fällen umzugehen.

Lösung beim Ratsuchenden „Als Beraterin gehe ich davon aus, dass die Lösung immer beim Ratsuchenden liegt“, sagt Theresa Vahle. Sie höre sich die Konfliktsituationen an und gebe Denkan stöße. Manchmal seien Lösungen schnell gefunden, manchmal dauere es länger.

Fest steht: „Der Bedarf an Beratung ist hoch an der Schule“, hat Theresa Vahle festgestellt. „Viele Probleme können hier in der Schule gelöst werden“, weiß sie.
Doch es gebe auch ernstere Themen, die näher von extra dafür ausgebildeten Fachkräften betrachtet werden sollten. Darum arbeitet die Beratungslehrerin auch mit externen Beratungsstellen zusammen, gibt bei Bedarf entsprechende Adressen an Ratsuchende weiter.

Was Theresa Vahle als Vorteil sieht, das sind die „kurzen Wege für Lehrer und Schüler“, sich mit ihr in  Verbindung zu setzen. Weil Beratung nun mal „nicht planbar“ sei, gebe es durchaus ruhigere Zeiten, aber auch Phasen mit viel Beratungsbedarf – klassischerweise vor der Ausgabe von Zeugnissen oder vor den Ferien. „Mir persönlich macht es Spaß“, sagt die Pädagogin, die in der Hauptsache eigentlich Deutsch, Mathe und Sport unterrichtet.

Im Gegensatz zu sonst oft üblichen Gesprächen zwischen Tür und Angel gibt es für die professionelle Beratung Grundsätze, die eine gelingende Beratung erst möglich machen.

Erstens: Verschwiegenheit. Beratungslehrkräfte machen sich strafbar, wenn sie ein persönliches Geheimnis, das ihnen in ihrer Funktion als Berater anvertraut wurde, weiter erzählen. Was im Beratungsgespräch gesagt wird, bleibt also im Raum. Zweitens: Die Beratung ist freiwillig. Wer sie in Anspruch nimmt, kann sich aus freien Stücken dafür oder dagegen entscheiden.
Drittens: Der Beratungslehrer muss sich gegenüber allen Beteiligten neutral verhalten. Viertens: Die Beratungsperson hat die in der Schule geltenden Verantwortungsbereiche zu respektieren. Theresa Vahle stellt sich diesen Herausforderungen.