Pflege der Kriegsgräberstätte Parnewinkel

 

A.  Entwicklung

Begonnen hat alles mit dem Unterrichtsgang am 22. November 2002 anlässlich des bevorstehenden Ewigkeitssonntages (Totensonntag). Einige Schüler und Schülerinnen äußerten spontan den Wunsch, gestalterisch auf dem Selsinger Friedhof tätig werden zu wollen. Ich machte ihnen die Aussichtslosigkeit einer Erfüllung des Wunsches klar, versprach aber, mir eine „Ersatztätigkeit“ zu überlegen. Im Laufe der nächsten Wochen fand ich ein Betätigungsfeld: Die Kriegsgräberstätte in Parnewinkel. Die für die Pflege zuständige Samtgemeinde Selsingen und der dort tätige Pfleger willigten gerne ein und im Frühjahr 2003 befreiten wir zum ersten Mal die Kriegsgräberstätte von Todholz und Laub. Außerdem wurden die Grabsteine von Moos und Algen befreit und einmal auch die Inschriften mit Spezialstiften wieder deutlich hervorgehoben.  Ein Elternpaar eines Schülers stellte einen Trecker mit Anhänger zum Abtransport des Gesammelten zur Verfügung und ein Hausmeister unserer Schule brachte uns die nötigen Arbeitsgeräte. Weitere Kleingartengeräte wurden den Kindern von den Eltern mitgegeben. Diese Pflegemaßnahmen wurden zweimal im Jahr durchgeführt, und zwar im Frühling und zum Volkstrauertag. Gerne berichtete die ZEVENER ZEITUNG und die BREMERVÖRDER ZEITUNG von diesen Aktionen.

Im Laufe der Zeit begannen die Schüler und Schülerinnen immer häufiger Fragen zu den Kriegstoten auf dem Friedhof zu stellen. Um Antworten von kompetenter Stelle zu bekommen, stellte ich den Kontakt zu dem Schulreferenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. her. Ich lud ihn in meinen Religionsunterricht ein, um die Klasse über Parnewinkel speziell und über Kriegsgräber im Allgemeinen zu informieren.

Die Klasse H 7b hat während ihrer gesamten Schulzeit diese Pflegearbeiten verrichtet. Als Anerkennung für dieses langjährige Engagement unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern“ erhielten alle am Tag ihrer Schulentlassung aus der Hand des Schulreferenten eine Urkunde.

Im November 2006 hat die Klasse R 6b erstmalig die Pflege durchgeführt. Seit dieser Zeit stellt die Samtgemeinde einen Anhänger zur Verfügung. Am 17. Mai 2009 erhielten die Klasse und ich aus den Händen des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung in Niedersachsen, Herrn H. Ehlen, eine Patenurkunde für die Kriegsgräberstätte Parnewinkel als Station Nr. 28 auf der SteinErlebnisRoute, die eine Reihe von denkwürdigen und bedenkenswerten Orten der Samtgemeinde verbindet.

B. Ziele

Wie beschrieben war nicht zuerst ein Konzept da und dann die daraus resultierende Aktion, sondern es verhielt sich nahezu umgekehrt. Der Wunsch und das Bedürfnis der Klasse nach sinnvoller Tätigkeit sollte aufgenommen und in richtige Bahnen gelenkt werden. Der Sinn und der Wert der aktiven Tätigkeit auf diesem Kriegsgräberfriedhof haben sich mir erst mit der Zeit erschlossen und ich würde sie jetzt wie folgt beschreiben:

-       Die Arbeit auf dem Friedhof lässt die Schüler von selbst

nach den Entstehungsursachen fragen und macht sie bereit,

das Thema „Nationalsozialismus in Deutschland“ als wichtig

anzuerkennen.

 

-       Die Schüler überwinden Fremdenfeindlichkeit, da sie Gräber

von früheren Feinden pflegen.

 

-       Die Schüler lernen zu schätzen, heutzutage in einem friedlichen

Europa zu leben, ohne einer Kriegsgefahr ausgesetzt zu sein.

           

-       Die Schüler werden angeregt, über friedliche Alternativen zum

Krieg nachzudenken.

 

-       Die Bedeutung der Kriegsgräberstätten als Mahnorte gegen

Gewaltherrschaft wird Schülern bewusst.

 

-       Die Pflegemaßnahmen über viele Jahre fördert die Verbunden-

heit zur Tätigkeit.

 

-      Das langjährige Engagement in einer Sache fördert die Verläss-

lichkeit auch auf anderen Gebieten.

Gez. A. Poppinga